APO der BSV Dortmund 2009/10
(beschlossen auf der 11. BDK am 26.01.2010)
Präambel (Einleitung)
Die letzten Schuljahre waren bildungspolitisch gesehen eine schlechte Zeit für die Bildungslandschaft in Nordrhein-Westfalen. Die Landesregierung hat im Bildungswesen drastische Rückschritte veranlasst. Leidtragend sind die SchülerInnen dieses Landes.
Durch die Erneuerung des Schulgesetzes wurden unter Anderem die zentralen Abschlussprüfungen und das Zentralabitur einführt.Das Bestehen dieser Leistungsabfragen wurde von den Verantwortlichen so zum Hauptinhalt der schulischen Karriere junger Mädchen und Jungen gemacht. Nicht mehr für erklärte Ziele der „Institution Schule“ – für die Vorbereitung auf das spätere Leben, das Studium oder gar das Vermitteln von sozialem Engagement, Bewusstsein und Verständnis und demokratischem, kritischem Denken – wird gelehrt und gelernt, sondern für das bloße Abfragen von standartisiertem Wissen. Die Möglichkeit für SchülerInnen individuelle Gedanken in die Unterrichtsinhalte einfließen zu lassen oder für den Lehrer thematische Exkurse einzubringen werden durch den überfüllten Lehrplan und stetig wachsenden Leistungsdruck nicht mehr zugelassen.
Mit den Kopfnoten und dem Abitur nach 12 Jahren passt sich das Bildungssystem zu einem großen Preis den internationalen wirtschaftlichen Anforderungen an. Indem die Persönlichkeit von SchülerInnen versucht wird von einem Lehrer, der als Mensch immer auch subjektive Einflüsse in die Benotung einbringt, in Ziffern dargestellt zu werden entstehen Bilder von SchülerInnen, die deren Charakter oftmals nicht gerecht werden. Diese Darstellung wird für Arbeitgeber aber immer, das weitere Reifen und Wesensänderungen mit fortschreitendem Alter zudem nicht berücksichtigend, als erster Eindruck dienen. Mit der Kürzung der Unterrichtszeit auf 12 Jahre werden darüber hinaus die Unterrichtsinhalte komprimiert und die Zeit, die früher zum Vermitteln von anderen wichtigen, z.B. sozialen, Fähigkeiten Platz bot, gestrichen. Beide Neuerungen bieten also lediglich dem Wirtschaftsapparat, der SchülerInnen überwiegend als „Humankapital“ betrachtet, Möglichkeiten zum Ausfiltern der vermeidlich besten.
Schule soll den Menschen Werte für ein selbstbestimmes Leben in einer funktionierenden Demokratie vermitteln. Entsprechend müssen sich demokratische Strukturen der Gesellschaft in den Schulen wiederspiegeln. Deshalb ist die Drittelparität notwendig und darf nicht durch das Schulgesetz einfach abgeschafft werden. Es muss möglich sein, dass alle am Schulleben Beteiligten – Lehrer, Eltern, vor allem aber auch SchülerInnen – den Lebensraum Schule gemeinsam gestalten und nicht Entscheidungen, teilweise Verschlechterungen, über die Köpfe von Beteiligten hinweg beschlossen werden. Das jetzige Schulgesetz können SchülerInnen nur als klares Statement der Landesregierung verstehen, für wie unmündig diese die SchülerInnenschaft hält. Diese spiegelt sich scheinbar auch in Vorgaben zur Gestaltung des Unterrichts wieder. Die SchülerInnen haben auf diesem Gebiet keine Stimme mehr um Unterricht kreativ zu gestalten, langweilender Frontalunterricht wird zum Standard an Nordrhein-Westfalens Schulen.
Basisarbeit
Wir wollen SchülerInnen bewegen, um Schule zu bewegen! Sensibilisierung, Politisierung und Aktivierung der SchülerInnenschaft in Dortmund, zur Schaffung einer SchülerInnenbewegung ist eines unserer höchsten Ziele, welches nur durch eine gute, in die Breite wirkende, aktive Basisarbeit umgesetzt werden kann.
Diese muss zunächst in Form einer funktionierenden Kommunikation zwischen den einzelnen Ebenen (SV-BSV) stattfinden. Dies ist eine der wichtigsten Aufgaben der BSV.
Diese so geschaffenen Verbingungen müssen dazu genutzt werden, um wirksame Basisarbeit zu leisten. Hierzu gehören die SV-Betreuung, SV-Seminare, die BSV-Homepage, Arbeitskreise und das Angebot, ständig als Ansprechpartner präsent zu sein und in Problemsituationen zu beraten.
Schülerräte
Der BSV-Vorstand bereitet einen inhaltlichen Schülerrat vor, der von den einzelnen Sven durchgeführt werden kann und so die gesamte Dortmunder Schülerschaft erreichen kann.
Basisarbeit ist aber mehr als die Betreuung von Gremien. Sie muss dem Anspruch gerecht werden, auch die SchülerInnen, welche nicht in SV oder BSV organisiert sind, für SchülerInnenpolitik zu begeistern. Der Bildungsstreik 2010 als eine Form der Einbeziehung von SchülerInnen außerhalb der Gremienarbeit bildet hier eine Form dies zu erreichen.
Die Kommunikation zwischen BSV, SVen und SchülerInnenmuss oft verbessert werden. Deshalb soll ein Projekt durchgeführt werden, wie ein weiterer Schülertag, desses Ziel es unter anderem sein muss hier eine langfristige positive Entwicklung in Gang zu setzen. Dieses Projekt muss aus einer Analyse und einer Planung bestehen, externe Unterstützung durch die Stadt, das Projektbüro „Schule machen“ und die LSV kann dabei hilfreich sein.
Der Bezirksvorstand bemüht sich, regelmäßig stadtweite Vernetzungstreffen stattfinden zu lassen, um so den Kontakt zu und zwischen den SVen zu verbessern. Auch wird der Basisbeauftragte die Aufgabe ausfüllen einen monatlichen Newsletter über den Schulverteiler zu schicken, um alle SVen über aktuelle Entwicklungen in der BSV und kommunale Angelegenheiten, die von Schülerinteresse sind, auf dem Laufenden zu halten. Um die SV-Strukturen in Dortmund auszubauen wird der Bezirksvorstand dazu angehalten neue SVen zu gründen.
Öffentlichkeitsarbeit
Um unseren Forderungen noch mehr Nachdruck verleihen zu können und möglichst viele Menschen zu erreichen, muss die Bekanntheit der BSV Dortmund durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit gesteigert werden. Außerdem ist die Zusammenarbeit mit und der Kontakt zu anderen Institutionen essentiell für das Erreichen unserer Ziele.
Der Bezirksvorstand ist angehalten, Pressemitteilungen herauszugeben, zu bildungs-, sowie auch zu allgemeinpolitischen Themen, die SchülerInnen betreffen. Der Kontakt zu Medien wird bestmöglichst genutzt, um in der Öffentlichkeit präsent zu bleiben. Dabei sollten nicht nur Zeitungen, sondern auch Fernsehen, Radio und das Internet eingeschlossen werden.
Der Bezirksvorstand wird dafür Sorge tragen, dass die geschaffene Medienplattform nicht als Profilierungsspielwiese einzelner Personen genutzt wird, sondern der gesamten Dortmunder Schülerschaft zu Gute kommt.
Des Weiteren wird die BSV Kontakte und Zusammenarbeit zu schülernahen Medien, wie zum Beispiel Jugendzeitschriften, Jugendfernsehprogrammen oder Internetseiten suchen.
Auf der BSV-Homepage wird eine Rubrik zu den inhaltlichen Themenschwerpunkten der Bezirksschülervertretung Dortmund eingerichtet. Zudem sollen die SVen und deren Aktivitäten stärker in die Webseite eingebunden werden.
Der Bezirksvorstand wird ein SV-Forum auf der Homepage einrichten und dieses aktiv betreuen um verstärkt mit SchülerInnen in Kontakt zu treten. Dort soll sich auch mehr über politische Themen mit Jugendlichen ausgetauscht werden.
Die BSV Dortmund versucht ihre Homepage auf allen Dortmunder Schul- und SV- Homepages verlinken zu lassen.
Antifaschismus
In Deutschland und besonders in Dortmund gibt es eine zunehmende Anzahl an neofaschistisch motivierten Handlungen, Gewaltaten und Morden, die nationalistischem und rassistischem, sowie antidemokratischem Denken entspringen. Die BSV Dortmund fordert die Politik weiterhin auf, die fortschrittshemmende Politik im Bildungs- und Jugendbereich zu unterlassen, damit soziale und ökonomische Ungerechtigkeiten beseitigt werden. Denn sie führen zu Perspektivlosigkeit, Hass und diffusen Feindbildern, an denen Jugendliche ihre Frustration abbauen.
Um diese Strukturen und um frühzeitig rassistisches und neofaschistisches Gedankengut zu bekämpfen, wird die BSV Dortmund verstärkt zu antifaschistischen Aktionen aufrufen, diese unterstützen und eine engere Zusammenarbeit mit den SVen anstreben. Weitere Mittel zur Erreichung dieser Ziele sind Bündnisse mit antifaschistischen Organisationen wie z. B. dem Bündnis Dortmund gegen Rechts. Die BSV Dortmund unterstützt den nächsten Antifaschistischen Jugendkongress organisatorisch und mit inhaltlichen Beiträgen.
Die BSV Dortmund klärt, in Zusammenarbeit mit den SVen, über rechtsextreme Organisationen, und zwar insbesondere über nicht offensichtliche, auf. Die BSV Dortmund setzt sich zudem für eine frühere, intensivere und vor allem aktuellere Aufklärung im Unterricht zum Thema Rechtsextremismus ein.
Da es unglaublich wichtig ist gegen die faschistischen Inhalte und Vorgehensweisen zu demonstrieren, werden die Schüler zunächst über die aktuelle Dortmunder Situation aufgeklärt. Immer wieder können Neonazis in unserer Stadt aufmarschieren. Dem müssen sich politschen Organisationen, so auch die BSV, entschieden entgegenstellen. Dies ist zum Beispiel durch Unterstützung der antifaschistischen Demonstration (im Hinblick auf den Leitfaden der Bezirksdelegiertenkonferenz) möglich.
Weiterhin macht es sich die BSV Dortmund zur Aufgabe, Schulen dazu zu bewegen sich dem Netzwerk von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ anzuschließen und dabei Hilfestellung zu leisten.
Dieses Thema bekommt einen eigenen Bereich in den Themenschwerpunkten der Homepage.
Schulgesetz
Da viele Änderungen im neuen Schulgesetz erst jetzt ihre erste Anwendung finden, muss die BSV Dortmund die Schülerinnen und Schüler Nordrhein-Westfalens auch weiterhin über ihre Rechte und über die rückschrittlichen und SchülerInnenfeindlichen Punkte im Schulgesetz aufklären.
Daher erstellt die BSV einen online- Schulrechts-Flyer, welcher Schülerinnen und Schüler über schulalltägliche Fragen und Probleme informiert. Er soll keine schulpolitischen Themen behandeln, die den SchülerInnen in der Praxis nicht weiterhelfen können – viel mehr sollen Fragen über praxisnahe Probleme geklärt werden. Dieser Flyer wird elektronisch an alle Schulen versandt und auf der BSV Homepage veröffentlicht wird. Als weiterer Schritt wird ein neuer SV Reader verfasst, der sowohl SVen als auch SchülerInnen über weitergehende schulrechtliche Situationen und Fragen aufklärt.
Da viele SchülerInnen nach dem Zentralabitur und den zentralen Abschlussprüfungen, als auch den Kopfnoten und der Schulzeitverkürzung ihren Protest zu Recht kundtun, sich dazu aber nicht organisieren, wird die BSV allen Betroffenen eine Plattform für den Austausch bieten. Um diesen Protest aber auch an die Öffentlichkeit heranzutragen, veranstaltet die BSV in Kooperation mit Gewerkschaften, Studierendenverbänden und Parteijugendverbänden einen zweiten Bildungsstreik im Jahr 2010.
Inklusive Ganztagsgesamtschule
Um eine Alternative zum jetzigen mehrgliedrigen Schulsystem ohne Chancengleichheit aufzuzeigen, fordert die BSV Dortmund die Umsetzung der Idee einer inklusiven Ganztagsgesamtschule, die in im Dachverband der BSVen, der LSV NRW, entwickelt wurde. Dazu werden zu sinnvollen Zeitpunkten Pressemitteilungen herausgegeben und Position der BSV der Politik und der Gesellschaft gegenüber klar vertreten und bekannt gemacht. Außerdem bemüht sich der Bezirksvorstand auch in der folgenden Zeit, Bündnispartner in den Bemühungen um ein besseres Schulsystem zu finden und bestehende Projekte zu unterstützen.
Bildungsproteste
Die BSV beteiligt sich an Aktionen des bundes- und landesweiten Bildungsstreiks in Form von Demonstrationen, Streik und anderem. Dafür bezieht der Vorstand die entsprechenden Informationen, besucht Treffen und unterstützt die LSV in ihrer Arbeit bezüglich dieses Punktes. Die Dortmunder Schüler sollen über die Missstände im Bildungssystem aufgeklärt werden und auf Aktionen hingewiesen werden.
Abschlussbestimmungen
Dieses Arbeitsprogramm verliert seine Gültigkeit nach der Amtsperiode 2010/2011 oder zu dem Zeitpunkt, an dem die Bezirkdelegiertenkonferenz zusammen tritt und ein neues Arbeitsprogramm beschließt.